Leider haben wir uns nicht mehr Zeit für dieses tolle Land genommen, das ganz weit oben auf der Liste meiner Lieblingsländer steht. Tropische Strände, dichter Urwald, hohes Gebirge und das netteste Volk, das ich je kennen lernen durfte, machen Kolumbien zu einem Highlight Südamerikas. Meine Reise, auf der mich Anika und Solène, zwei Mitbewohnerinnen aus Lima, begleitet haben, führte mich von der wuseligen Hauptstadt Bogotá über wunderschöne koloniale Dörfchen und ein paar Abenteuer nach Cartagena an die Karibik-Küste, um dort Sonne zu tanken, bis hin nach Medellín, die Welthauptstadt des Drogenumschlags, von wo aus es dann wieder per Flugzeug Richtung Ecuador ging. Hier die dazu gehörigen Photos:
Chiclayo (21.-22. August): Erster Ort unserer kleinen Tour durch die praekolumbianische Geschichte des Landes war Chiclayo. Einerseits haben wir uns den so genannten Stolz von Nord-Peru angeschaut, ein hypermodernes Museum ueber das 1987 entdeckte Grab des Herren von Sipán, einer Pyramiden-aehnlichen Grabanlage in der Naehe der Stadt. Man fand dort eine Riesenanzahl von Artefakten, angefangen bei tausenden von Keramik-und Tongefaessen, riesigen Halsketten, Kronen, Ohrringen und anderen Schmuckstuecken, bis hin zu den Mumien der maechtigsten Leute des damaligen Volkes der Moche-Kultur und Resten von Hunden, Lamas und anderen Tieren. Aus diesen Funden konnte man sich sehr viel ueber das Leben in dieser Gesellschaft schliessen, welche Goetter sie angebeten haben, wie sie ihren Zeremonien gehalten haben und wie sie ihre Fruechte angebaut haben, um zu ueberleben. Photos durfte man dort keine machen, deswegen hier nur der versteckte aber bunte Eingang unseres billigen Hostels mit ebenso bunter Anika.
Ausserdem waren wir in Túcume, einer Anlage mit 26 Pyramiden, die aber von Erosion geplagt sind und kaum als solche auszumachen sind, da sie auch noch nicht gut ausgegraben wurden und die archaeologischen Arbeiten noch in vollem Gange sind. Dennoch war die Aussicht vom Berg in der Mitte der Ruinenstaette ziemlich gut, man konnte sich ein Bild davon machen, wie beeindruckend das frueher einmal sein musste.
Chachapoyas (23.-24. August): In der Naehe dieser kleinen Stadt im andinen Dschungel steht die angeblich zweitschoenste und eine der am wenigsten besuchten Ruinen des Landes: Kuélap. Diese stammt aber wiederum nicht von den Inkas, sondern von den Chachapoyas (Name identisch mit dem der Regions-Hauptstadt), den so genannten “Nebelmenschen”, was sich auf die Lage der Festung innerhalb eines oft bewoelkten Nebelwaldes bezieht. Nach der Nacht-Busfahrt ging es dann also direkt weiter mit einer dreistuendigen Fahrt zu dieser versteckten Sehenswuerdigkeit. Der erste Eindruck war echt: “Wow, riesige Mauer!”, innen war es aber dann nicht mehr ganz so immens, wie man es sich vorgestellt hat. Aber trotzdem war es krass zu sehen, was Menschen in damaligen Zeiten mit ihrer Koerperkraft und den wenigen Hilfsmitteln, die sie hatten, geschafft haben und vor allem wie sie sich an die klimatischen Verhaeltnisse angepasst haben. Geschichtlich wurden die Chachapoyas uebrigens von den Inkas unterworfen, die dann aber wiederum von den Spaniern angegriffen wurden, auf deren Seite sich dann die Nebelmenschen gestellt haben. Der Feind meines Feindes ist mein Freund, sozusagen.
Neben all den Ruinen hatten wir zum Glueck auch die Moeglichkeit, etwas wandern zu gehen und Natur zu sehen: Wir machten uns auf die zweistuendige Auf-und-Ab-Wanderung zum dritthoechsten Wasserfall der Welt, mit insgesamt 771 Metern nur kleiner als die Santo Ángel-Faelle in Venezuela und die Tugela-Faelle in Suedafrika. Momentan ist aber Trockenzeit, weswegen der Wasserfall nicht sehr viel Wasservolumen besitzt und unten schon fast kein Wasser sondern eher Wasserdampf ankommt, was aber den gigantischen Eindruck kaum truebt. Zur Regenzeit kann man auch anscheinend nicht zur Lagune am Fusse des Falls wandern, da die Kraft dahinter viel zu immens ist und man dort auf Grund des Fehlens von Luft kaum atmen koennte.
Trujillo (25.-26. August): In der Naehe von Trujillo findet man etliche Staetten, die die praekolumbianischen Voelker hinterlassen haben. Am bekanntesten ist die Stadt Chan Chan der Chimú-Kultur, die als groesste erhaltene praekolumbianische Stadt und ueberhaupt groesste Lehmstadt der Welt gilt. Bis auf Mauern, Graeber, enge Gaenge und die Grundrisse ist aber davon wegen des Wetter-Phaenomens El Niño, das in Perú alle Jahre mal mit heftigen und Ruinen zerstoerenden Regenfaellen zuschlaegt, nicht mehr uebrig. Dennoch sehr eindrucksvoll ist die Groesse der Anlage, in der frueher zigtausende von Menschen gewohnt haben muessen.
Die Stadt an sich ist die viertgroesste des Landes und an mancher Stelle erinnert es mich schon sehr an das Zentrum Limas. Es ist natuerlich lange nicht so gross und wuselig, aber die Plaza de Armas ist aehnlich, das Wetter kommt mir sehr bekannt vor und die Leute werden je weiter man in den Sueden kommt auch wieder unfreundlicher. Das gute aber ist, dass es wieder ein Abendprogramm gibt, wir waren beispielsweise in einem grossen Centro Comercial shoppen und haben uns dort einen Film angeschaut, wie wir es eigentlich schon genauso in Chiclayo gemacht haben, aber man musste sich mal nicht mit einem Buechlein (ich lese uebrigens gerade Paulo Coelhos “La Quinta Montaña” auf spanisch) oder frueh ins Bett gehen begnuegen oder wie der Lonely Planet in Chachapoyas die einzige moegliche abendliche Beschaeftigung vorgeschlagen hat, naemlich ein Rundgang um den Hauptplatz.
Das war uebrigens der letzte Beitrag aus dem Norden von Lima. Morgen geht’s zurueck in die verrueckte Hauptstadt, um dort mein Uebergepaeck loszuwerden und neues aufzunehmen (namens Andrea), mit der ich dann am Sonntag nach Cusco fliege, um die Ruinen-Tour erstmal auf ihren Hoehepunkt zu treiben. Ich freu mich auf dich!
Cuenca (14.-16. August): Das ist die angeblich charmanteste Stadt des Landes, aber auf jeden Fall die langweiligste. Gut, wir waren dort an einem Sonntag (an welchen kaum ein Restaurant der Stadt geoeffnet hatte und wir ohne den Service im Hostel fast verhungert waeren) und an einem Montag. Aber selbst an diesem hatten wir nicht viel zu tun, man muesste irgendwelche Ausfluege in die Umgebung machen, um sich irgendwie selbst zu unterhalten. Das spannendste, das uns passiert ist, war an dem Samstag Abend, an dem wir angekommen sind: Wir haben erstmal in der Dunkelheit in etwas Angst machenden Gegenden ein Hostel gesucht, bevor uns eine Familie in einem gut abgeschlossenen Jeep davon ueberzeugt hat, das wegen Dieben und Gewalttaetern lieber nicht zu tun, vor allem nicht mit unseren ganzen Wertsachen. Deswegen haben sie uns kurzerhand einsteigen lassen und uns in ein sichereres Gebiet gefahren. Am Sonntag haben wir auf Grund des fehlenden Angebots Stunden in einem Internet-Café verbracht und am Montag sind wir zumindest auf einen Huegel in ultimativer Umgebung der Stadt gefahren, um sie uns von oben anzusehen, was aber auch nicht allzu spektakulaer war. Wegen Unterhaltungsmangel haben wir uns kurzerhand entschieden, den naechsten Tag dazu zu widmen, ueber die Grenze wieder nach Peru zu kommen.
Huanquillas / Aguas Verdes (17. August): Heute haben wir den Tag im Bus verbracht. Erst ging es von Cuenca nach Machala, dann nach Huaquillas an der ecuadorianischen Grenze, um von dort aus innerhalb von einer Stunde die Grenze zu ueberqueren und nach Aguas Verdes fuenf Kilometer weiter (aber auf der peruanischen Seite) zu kommen. Danach ging es mit dem Colectivo-Bus nach Tumbes, um hinterher schliesslich nach einstuendiger Wartezeit nach Máncora, unserem Ziel, zu gelangen. Alles zusammen hat mehr als zwoelf Stunden gedauert und viele Nerven gekostet, da man an der Grenze staendig angelabert wird, Geld zu tauschen, ein ueberteuertes Taxi zu nehmen, oder aehnliches, nur damit die Abzocker an auslaendische Kohle kommen. Wir haben uns aber nicht abziehen lassen, da wir sowas ja inzwischen gewohnt sind – im Gegensatz zu zwei Franzosen, die wir getroffen haben, die statt drei Soles fuer den Bus zwischen der Grenze und Tumbes 15 Dollar fuer ein Taxi berappen mussten, was ungefaehr 15 Mal soviel ist. Aus diesen Gruenden gilt der Grenzuebergang wie in der Ueberschrift erwaehnt als schlimmster des Kontinents…
Máncora (18.-20. August): Die kleine Stadt am Pazifik gilt als das Strand- und Surfer-Paradies Perus. Da das Land nichts besseres am Meer hat, ist das sehr verstaendlich. So schlimm, wie sich das jetzt anhoert, ist es natuerlich nicht. Das Hostel, in dem wir abgestiegen sind, war ziemlich neu, hatte tolle Matratzen, das Fruehstueck war incluido und es war billig. Der Pool jedoch war aus unerfindlichen Gruenden am zweiten Tag gruen. Und das Essen und die Getraenke an der hauseigenen Bar waren der Hammer, also gibt es eigentlich nichts zu motzen. Der Strand ist lang, belebt aber nicht gefuellt, braun aber nicht weiss, die Wellen sind toll aber alles insgesamt ein bisschen dreckig und ungepflegt. Zum Chillen drei Tage lang war es perkeft, als Traum-Idylle wuerde ich es aber nicht bezeichnen (gut, wir sind Galápagos- und Karibik-verwoehnt). Und wegen Langeweile, die irgendwann aufgekommen ist, war ich auch froh, wieder weiter zu kommen. Ich habe wohl eher das nie ruhende Backpacker-Gen, als das dauernd chillende Surfer-Gen.
Quito (06.-08. August): Nach einer Woche Galápagos sind wir wieder in der ecuadorianischen Hauptstadt, von der wir bisher nicht mehr als Flughafen und Umgebung sehen konnten, angekommen. Also ging es schnurstracks in die Neustadt, in der die guenstigsten Hostels angesiedelt sind, wo wir auch bald ein super gutes und billiges gefunden haben. Am selben Tag haben wir nicht mehr viel zustande gebracht und sind auch nach vier Naechten auf dem Segelboot frueh ins Bett gegangen. Tags darauf haben wir uns ein bisschen die Altstadt angeschaut, die mit ihren wuchtigen Kirchen, schoenen kolonialen Gebaeuden und ihrer Lage auf einigen Huegeln sehr besticht. Nachmittags hat es ziemlich geregnet, weswegen wir uns entschieden haben, ein bisschen in die zwei groessten Shopping-Center der Stadt zu gehen, ohne irgendetwas zu kaufen.
Am dritten Tag Quito sind wir mit einer Seilbahn, dem TelefériQo, auf einen 4.200 Meter hohen Berg direkt neben der Grossstadt gefahren, um von der Bergstation aus noch etwa 300 Hoehenmeter weiter rauf zu klettern, bis wir nicht mehr konnten, um oben die hervorragenden Aussichten ueber Stadt und Gebirge zu geniessen. Abends wollten wir (zumindest ich unbedingt) ins Kino, in den Film Inception, der super kompliziert los ging aber am Ende einfach mal der beste Kinofilm seit Inglourious Basterds war.
Latacunga (09. August): Latacunga ist die Stadt, von der man am besten eine Tour zum Vulkan Cotopaxi machen kann und von der man aus den Quilatoa Loop startet, eine Runde durch kleine Bergdoerfchen und wunderschoene Landschaften. Beides haben wir uns vorgenommen. In der Stadt selbst gibt es einen geschaeftigen Markt und etlich viele Friseure, angeblich die groesste Pro-Kopf-Anzahl an Friseuren und Schoenheitssalons im ganzen Land. Diese Gelegenheit habe ich genutzt, um meine Maehne etwas abschneiden zu lassen. Fuer unglaubliche zwei Dollar.
Quilatoa (10. August): Vormittags von Latacunga los gefahren und etwa mittags angekommen, gingen wir nach kurzer Akklimatisierung los zur Lagune, um sie einmal zu umrunden. Nach dem Abstieg zum kleinen See hat man uns aber gesagt, dass es ziemlich lange dauert, einmal rundum zu wandern und das sowieso nur obenrum geht und nicht am Ufer entlang, weswegen wir nur wieder hoch gestiegen sind - was anstrengend genug war -, um den restlichen Tag im Warmen am Kamin im Hostel zu verbringen und Stadt Land Fluss zu spielen.
Chugchilán (11. August): Nach einer ziemlich kalten Nacht ging es heute morgen von der Quilatoa Lagune (3.800 Meter ueber dem Meeresspiegel) nach Chugchilán (etwa 3.200 Meter), das hiess etwa drei Stunden konstanter Abstieg und 1,5 Stunden wieder nach oben. Das Wetter war super, die Aussicht toll und das einzig Dumme war, dass wir ohne Fuehrer los sind und uns somit zweimal derbst verlaufen haben. Aber zum Glueck waren zwei Damen mit einem Guía unterwegs, die unseren Weg des Oefteren gekreuzt haben und wir somit fragen konnten, wo es lang geht. Am Ende kamen wir schliesslich ans Ziel, aber ziemlich fertig, weswegen ich mich erstmal zum Lesen in eine Haengematte gechillt habe, waehrend Anika sich weiter beschaeftigte und noch zwei Stunden reiten gegangen ist.
Cotopaxi (12. August): Um 2:30 Uhr sind wir an diesem “Morgen” aufgestanden, um mit dem 3-Uhr-Bus nach Saquisilí zu fahren, wo donnerstags immer einer der groessten und wichtigsten indigenen Maerkten des Landes stattfindet. Von Schweinen, Kochbananen, Artesanía, bis hin zu Lamas, Essen und Betten konnte man auf den vielen Plaetzen des Staedtchen so ziemlich alles kaufen. Die ganze Stadt war im Prinzip ein total verrueckter, wuseliger Markt, sehr sehenswert aber wir fuehlten uns sehr fehl am Platz. Zwei Stunden spaeter, um 9:00 Uhr, hat uns dann unser Fuehrer fuer die Tour zum Cotopaxi abgeholt. “Auf zum schoensten Vulkan Ecuadors!”; das dachten wir uns zumindest ein paar Tage vorher, als wir die Tour gebucht haben. Natuerlich wollten wir nicht bis ganz nach oben steigen, 6.000 Meter ist dann doch ein bisschen zu hoch fuer uns. Aber zumindest bis zum Gletscher wollten wir. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die (gar nicht mal so billige) Rechnung gemacht. Es war neblig, anfangs konnte man nur etwa fuenf Meter sehen und sobald es sich ein bisschen aufgeklaert hat, hat es zu regnen begonnen. Im Endeffekt haben wir also nichts vom Cotopaxi gesehen und sind nur ein bisschen durch den Nebel gewandert. Abends ist mir dann aufgefallen, dass ich meinen Geldbeutel zwar ohne Geld, aber mit Kreditkarte, EC-Karte, Personalausweis und etlichem anderen Zeug in Quilatoa vergessen habe, weswegen ich die naechsten Tage nochmal zurueck musste und mir das fuer diese Nacht sehr lange den Schlaf geraubt hatte.
Baños (13. August): Nachdem ich den Quilatoa Loop ein zweites Mal gemacht habe, um meinen Geldbeutel wieder zu kriegen, kam ich mittags in Baños an und: es regnete. Nachmittags haben wir erstmal gegessen, ein Hostel gesucht, mit Freundinnen geskypet und es allgemein ruhig angehen lassen (waehrenddessen hat es uebrigens geregnet), um abends in ein Thermalbad unter freiem Himmel und direkt neben dem hohen Wasserfall zu gehen und: es regnete. Abends haben wir dann noch ein bisschen was getrunken, weshalb wir am naechsten Morgen etwas spaeter aufgestanden sind. Beim Fruehstueck auf der huebschen, unterdachten und verglasten Dachterasse hat es uebrigens auch die ganze Zeit heftig geregnet. Deswegen haben wir uns entschieden, vor dem Regen zu fliehen. Dazu mussten wir die hoellische Unordnung, die wir waehrend eines Tages in unserem Drei-Bett-Zimmer zustande gebracht haben, erstmal wieder aufraeumen. So sind wir also am selben Tag noch ueber Riobamba nach Cuenca gefahren, was eine der schlimmsten Busfahrten meines Lebens war, da andauernd stinkende indigene Omis neben mir standen oder sich ungefragt an mich angelehnt haben.
Medellín (28.-29. Juli): Bevor wir auf die Galápagos-Inseln ueber Quito geflogen sind, mussten wir erstmal aus Kolumbien raus. Nach einer 13-stuendigen Nacht-Busfahrt kamen wir morgens im wieder etwas kuehleren Medellín an, das unser letzter Halt in Kolumbien sein sollte und das frueher bekannt war als die Drogen-Hochburg Nummer 1. Heutzutage ist das aber alles Geschichte, man kann sicherlich noch sehr leicht an Kokain kommen, wenn man will, aber allgemein ist die Menge des Umschlags und ueberhaupt die Kriminalitaet in dieser Stadt in den letzten Jahren erheblich zurueck gegangen. Kaum angekommen in der Casa Kiwi, ein Hostel, das von einem Neuseelaender betrieben wird, wurden wir auch schon gefragt, ob wir in kurzer Zeit einiges an Geld verdienen wollen. Angeschlagen wurden drei Stunden zu einer Entlohnung von 130.000 Pesos, was ungefaehr 55 Euro entspricht. Was wir dafuer tun mussten? Es hiess, wir zehn Gringos, die sie dafuer engagierten, sollten einfach nur im Hintergrund einer Szenerie sitzen und etwas trinken. Im Endeffekt kam alles anders:
Wir sind ab sofort offiziell Statisten in einer kolumbianischen Telenovela! So scheisse, dass es schon wieder cool ist – genau wie die 70er/80er-Jahre-Kostueme, die wir dazu tragen mussten. Die Seifenoper, die wohl auf ungefaehr 100 Folgen limitiert sein wird, handelt von einem Salsa-Musiker aus Kolumbien. Mehr habe ich leider nicht raus gefunden. Jedenfalls die Szene, in der wir teilnahmen, spielt in einer Bar, in der wir im Hintergrund tanzen mussten. “¡Rumbeando!”, wie der Assistent des Regisseurs immer geschrien hat. Und das ohne Musik! Wie schwer tanzen ohne Musik ist, weiss ich seitdem. Letztendlich haben wir ungefaehr zehn Stunden nur gewartet (¡Bienvenido a Latinoamérica!), und eine Stunde gedreht. Waehrend der Wartzeit haben wir uns mit den anderen Statisten unterhalten, den Transvestiten beim Rumtorkeln zugeschaut, schwule Tanzgrueppchen in bunten, leicht laecherlichen Outfits beobachtet und den Divas beim Sich-schminken-lassen zugesehen. Der Stundenlohn am Ende war dann nicht mehr so toll (vielleicht fuer kolumbianische Verhaeltnisse schon), aber wir hatten viel Spass und wer kann schon von sich behaupten, an einer suedamerikanischen Telenovela Teil genommen zu haben? Im Uebrigen haben wir das Schnittmaterial hinterher kurz ansehen koennen, und tatsaechlich habe ich meine halbe Sekunde Ruhm, da man fuer einen Augenblick mein Gesicht sieht.
Die Stadt an sich haben wir uns dann einen Tag spaeter angesehen, was jetzt nicht allzu berauschend war, von daher war es perfekt, dass wir den Tag zuvor auf eine spannendere Weise nutzen konnten.
Isla Santa Cruz (30.-31. Juli): 0. Breitengrad Sued, 90. Laengengrad West: Die Galápagos-Inseln liegen weit vor der ecuadorianischen Kueste direkt auf dem Aequator, weswegen man vermuten koennte, dass das Wetter tropenheiss ist. Als wir am Flughafen auf der Isla Baltra angekommen sind, war es schoen warm, aber weder schwuel noch richtig heiss – eigentlich das perfekte Klima. Dann mussten wir mit einer Bus-Faehren-Kombination etwa zwei Stunden zur auf der Inseln Santa Cruz liegenden groessten Stadt des Archipels Puerto Ayora fahren, was eine komische Erfahrung war, da man meinte, man passiere mehrere Klima- und Vegetationszonen. Auf Baltra wirkte alles noch ein bisschen unwirklich, raue Steppenlandschaft, sehr flach, viele vulkanische Felsen herumliegend und unbelebt. Dann wurde es mediterran, kleine Baeume und Straeucher, viele in hellem Gruen und Strohfarben, manche davon abgestorben in hoelzernem Weiss dastehend, aber trotzdem noch freundlich. Die naechste “Zone” wuerde ich als Nebelwald bezeichnen. Es ging bergauf, Nebel umgab uns, es wurde viel kaelter und die Baeume waren von oben bis unten von Moos bedeckt, das Gruen wurde satter. Und schliesslich kamen wir in ein Gebiet voller tropischer Pflanzen, am vorherrschendsten die auffaelligen Bananenpalmen mit ihren riesigen Blaettern. In Puerto Ayora angekommen ueberkam uns eigentlich der Eindruck einer normalen, nicht besonders besonderen Stadt, jedoch mit einem etwas gechillterem Flair und mit vielen Gringos gesaettigt, weswegen auch an jeder Ecke Internet-Cafés, Restaurants, Drogerien, Hostels und Hotels zu finden sind.
Am zweiten Tag haben wir die Insel ein bisschen erkundet. Einerseits haben wir eine kleine Rad-Tour ins Hochland der Insel gemacht, wollten dort eigentlich eine Tortuga-Zucht anschauen, haben aber leider nicht hingefunden. Beim Zurueckfahren haben wir uns einen Lava-Tunnel angesehen, der vor etlichen Jahrhunderten bei der Entstehung der Inseln geformt wurde. Spaetnachmittags sind wir noch zum Tortuga Bay gegangen, der umrahmt wird von einem der weissesten Straende, die ich je gesehen habe. Ich hab mich kurz im eiseskalten Wasser abgefrischt, obwohl es total grau und bewoelkt war und sogar leicht genieselt hat. Aber bei dem klaren, tuerkisen Wasser konnte ich nicht widerstehen.
Isla Isabela (01. August): Auf einer Tages-Tour, die eigentlich nicht besonders empfohlen wird, da man ewig lange mit dem Schiff hinfahren und wieder zurueckfahren muss und zu Tageszeiten die Inseln besucht, an denen die Tiere sich nicht in Vielzahl blicken lassen, haben wir heute die groesste Insel der Galápagos besucht. Da wir aber neben unserer Fuenf-Tages-Tour, die morgen beginnt, noch einen uebrigen Tag hatten, meinten wir, das waere eine gute Loesung, auch noch einen anderen Teil des Archipels kennen zu lernen. Und wir wurden nicht enttaeuscht: Vormittags war es zwar ein bisschen langweilig, irgendwie eine typische Touri-Tour. Erst haben wir uns ein ehemaliges Strafgefangenen-Lager der Amis angeschaut, dann eine kleine Schildkroeten-Zucht, um die Arten zu erhalten. Nach einem typischen Mittagessen (typisch bedeutet in Ecuador, Peru und Kolumbien: Reis, Banane (frittiert oder gebraten) oder Pommes, Fleisch oder Fisch und Salat, davor meistens eine Suppe mit allem moeglichen, was grad uebrig ist) haben wir eine kleine Wanderung auf vulkanischem Gestein gemacht, auf dem ganz viele Leguane zu Hause sind. Zu guter Letzt kam das Coolste: Schnorcheln in dem eiskalten Wasser durch eine etwa zwei Meter tiefe und breite Schlucht, auf deren Boden es von White Tip Sharks nur so wimmelte (ich weiss den deutschen Namen leider nicht). Jedenfalls war das etwas Angst einfloessend, obwohl uns bestaetigt wurde, dass die nicht angreifen. Bewegt haben sie sich jedenfalls, und da die Schlucht immer ebener wurde, musste man am Ende aufpassen, keinen zu beruehren. Der groesste Schock war aber erst, als ploetzlich aus heiterem Himmel ein Seehund ziemlich schnell von hinten unter uns durch gehuscht ist.
Isla Baltra (02. August): Unsere Fuenf-Tages-Tour startete auf der Insel, wo auch der Flughafen steht, auf dem wir angekommen sind. Danach ging es aber gleich weiter beziehungsweise wieder zurueck auf die Hauptinsel Santa Cruz, wo wir am Nord-Ufer den Bachas-Strand angeschaut haben – ein Traum! Strahlend blauer Himmel, weissester Strand, und tuerkises Wasser mit vielen bunten Fischen. Zudem hatte der Strand auch noch Geschichtliches zu bieten, mit dem ich euch aber jetzt nicht langweilen will, da man ja auf die Inseln vorwiegend faehrt, um schoene Landschaften und eine vielseitige Tierwelt erleben zu koennen.
Islas Plazas (03. August): Auf diesen zwei Inseln gibt es staendig scheissende Voegel und andauernd pissende Seeloewen, weswegen sich das ehemals schwarze Lava-Gestein in weisse Felsen verfaerbt hat. Die Vegetation auf den Mini-Inseln (etwa einen Quadratkilometer gross) besteht auch auf dem Boden wachsenden rot-gruenen Pflanzen, die je nach Salzgehalt des Wassers, dass sie zu sich nehmen, verschiedene Farben annehmen; ausserdem gab es etliche ziemlich grosse Kakteen, von denen sich die vielen Leguane der Inseln ernaehren.
Isla Santa Fé (03. August): Nach zweistuendiger, wackeliger Bootsfahrt ging es auf diese kleine Insel, auf der eine Seeloewen-Kolonie zu Hause ist. Echt suess, wie die sich nebeneinander flacken, sich gegenseitig waermen, miteinander kaempfen, sich anmaulen, sich der Fliegen entschuetteln oder miteinader im Wasser spielen. Ausserdem findet man hier vor der Kueste eine kleine Bucht perfekt zum Schnorcheln, wo wir eine Riesen-Meeresschildkroete beim Rumhaengen im kalten Wasser bewundern konnten. Ausserdem gab es wieder ungefaehrliche Haie und bunte Fischleins zu sehen.
Isla Española (04. August): Auf dieser Insel, die als die aelteste des Archipels gilt, gibt es Tausende von lustigen Voegeln. Albatrosse sind die groessten, die interessantesten jedoch sind die Blue Footed Boobies, deren Fuesse wie der Name schon sagt knallblau sind. Sie fuehren lustige Taenze auf, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Auch die Nazca Boobies, aehnlich lustig aussehend wie deren Verwandte, bloss mit orangenen Fuessen und etwas groesser, gibt es hier zu Hauf. Die obligatorischen Seeloewen und Leguane vermisst man hier auf der Insel ebenso wenig. Zwei ganz lustige Sachen: Die Albatrosse haben einen so genannten Flughafen auf der Insel, einen natuerlichen baumlosen Bereich, den sie zum Starten und Landen benutzen, da es schwer ist, ihre riesigen Koerper bei dem starken Wind, der hier immer herrscht, unter Kontrolle zu behalten. Und was noch witzig ist, dass die Boobies um ihre Nester scheissen, um ihr Revier zu markieren. Deswegen ist auch hier alles weiss geschissen.
Isla Floreana (05. August): Das ist eine der fuenf bewohnten Inseln und unsere letzte Station. Angefangen haben wir den Tag im Post Office Bay, wo eine Tradition vor Jahrzehnten gestartet wurde, die ich eigentlich ganz nett finde: Man schreibt an sich selbst oder einen lieben Bekannten eine Postkarte, steckt sie in ein Fass und wartet, bis ein anderer Galapagos-Urlauber, der in der Naehe der geschriebenen Adresse wohnt, die Karte mitnimmt und sie im Heimatland an die adressierte Person persoenlich zustellt. Das soll Kontakt zwischen Gleichgesinnten herstellen und macht so mehreren Leuten gleichzeitig Freude. Danach ging es zur Punta Cormorant, einer Lagune, die zur Regenzeit eigentlich gesaeumt ist von gruenen Baeumen und hunderten von Flamingos, momentan aber eher wie ausgestorben ist – ein einziger solcher Vogel hat sich uns gezeigt. Hinterher gingen wir zu einem Strand, an dem im knietiefen Wasser zig Rochen angespuelt wurden; man musste aufpassen, auf keinen drauf zu steigen.
Allgemein war das einer der besten aber auch teuersten Trips meines Lebens. Fuer die sieben Tage auf der Insel inklusive Flug, 100$ Parkgebuehr und der Segel-Tour haben wir extrem viel Geld dort gelassen. Aber sowas macht man ja auch nur einmal im Leben. Auf dem Boot war es ziemlich cool, wir waren acht Leute (ein franzoesisches Paerchen aus Paris mit 22jaehriger Tochter, ein Deutscher aus Freiburg, ein Kalifornier und ein Israeli, sowie wie wir zwei, Anika und ich) und die Stimmung war echt ziemlich gut – wohl viel besser und persoenlicher, als es auf einem groesseren und luxurioeseren Schiff gewesen waere mit viel mehr Leuten. Die Crew war auch super nett, dabei waren ein Fuehrer, ein Kapitaen (der eigentlich nur geschlafen hat), ein Helfer (der eigentlich den Job des Kapitaens machte) und ein Koch (der ziemlich lecker und vor allem gesund und mit wenig Reis gekocht hat). Das einzig nervige war das extreme Geschaukel. Unter Deck ist einem da ziemlich schnell schlecht geworden, man musste sich eigentlich die meiste Zeit oben aufhalten, um nicht kotzen zu muessen. Oder sich hinlegen. Und alles ist ziemlich eng, ich teilte mir die drei Quadratmeter grosse Kabine mit dem Israeli. Fuer grosse Europaeer ist das schon schwieriger, sich auf dem Boot zurecht zu finden, als fuer kleine Ecuadorianer.
Cartagena (22., 26., 27. Juli): Cartagena de Indias, so der vollstaendige Name der Millionenstadt an Kolumbiens Karibik-Kueste, soll wie in der Ueberschrift erwaehnt das Juwel des Kontinents sein, so heisst es zumindest in vielen Quellen. Ich kann auf jeden Fall bestaetigen, dass die Altstadt alle bisher gesehenen suedamerikanischen Staedte uebertrifft, aber es fehlen ja beispielsweise noch so Highlights wie Cuenca und Quito in Ecuador, die sicher auch mit ihrer kolonialen Pracht bestechen werden.
Die Altstadt besteht aus bunten, schoen hergerichteten Haeusern, kleinen Geschaeften, Cafés und Gaesschen, ueberall tummeln sich die Strassenverkaeufer, Blumenpracht haengt von den Balkonen und das Wetter ist ganzjaehrig zudem noch toll. Die Ciudad Antigua erinnert mich ein bisschen an einige suesse, kleine Staedtchen in Spanien, die ich letzten Sommer entdecken konnte – kein Wunder, entstand Cartagena ja auch im kolonialen Zeitalter durch die Spanier, die ihren Einfluss in die Architektur mit einbrachten. Sonntags ist die Stadt eher ausgestorben (kennt man auch aus Spanien), unter der Woche jedoch ist es nur noch ein buntes Getummel.
Auch die kleine Burg nicht weit vom Zentrum entfernt haben wir besucht, das Witzigste daran war die ueberdimensionierte kolumbische Flagge und ein unterirdisches Labyrinth von dunkeln Gaengen und Kammern. Zudem waren wir auf der Feria Artesanal, wo aber die ganzen Handwerkswaren ein Vielfaches der normal zu verhandelnden Preise gekostet haben, weswegen wir ohne Erfolg bald wieder von dannen gingen.
Isla Barú (23.-24. Juli): Am so genannten Playa Blanca dieser Insel, auch von mir des Oefteren Paradies genannt, haben wir eine Nacht in der Haengematte geschlafen. Einfach nur traumhaft! Abends und morgens, wenn die Nachmittags-Kolonne der Touristen-Touren wieder abfaehrt, sind kaum Leute am Strand und man kann den Tag so richtig geniessen. Auch die Nacht war okay, nicht ganz so gemuetlich, aber auf jeden Fall von der Temperatur her perfekt und es ist einfach schoen, mit den Wellen im Ohr einzuschlafen. Morgens ist das Meer dann wieder extrem ruhig und tuerkis und vor allem eine super Erfrischung zum Fruehstueck.
Nach der Rueckkehr in die Stadt mit einem leider sehr grossen Schiff und sehr vielen Touristen stellte sich heraus, dass die Haengematte wohl voller Sandfloehe oder -fliegen war und ich ungefaehr unuebertrieben 500 Stiche an den Fuessen und Beinen hatte, die hoellisch juckten. Wenn man zusaetzlich noch einen Sonnenbrand hat, ist das Kratzen auch nicht besonders angenehm. So habe ich mir erstmal eine Juckreiz-mindernde Creme gekauft, die aber auch nur kurzfristig half. Aber ein Indianer kennt ja keinen Schmerz.
Volcán del Totumo (25. Juli): Zwischen Barranquilla und Cartagena, etwa auf halber Strecke, gibt es den Volcán del Totumo, einen etwa 15 Meter grossen Matsch-Vulkan, in dem es ein natuerliches Schlamm-Bad gibt, wo man sich fuer wenig Geld eine Art Hautbehandlung goennen kann – was gar nicht so verkehrt war, mit meinen vielen Muecken- oder Sonstwas-Stichen. Danach hat es zumindest nicht mehr sehr gejuckt. Auf jeden Fall fuehlt sich die ganze Sache ziemlich lustig an, man kann nicht weiter einsinken als bis etwa zur Brust, obwohl wohl noch lange kein Boden in Reichweite ist. Die Schwerkraft laesst es bloss nicht zu. Beim Rausgehen war es dann auch witzig, die Hosen sind uns beinahe runter gerutscht durch das Gewicht des Schlamms. Am Ende konnten wir uns dann in der nahe liegenden Lagune waschen, die jedoch auch nicht allzu sauber war, von daher freuten wir uns wie die Schnitzel auf Pool und Dusche gegen Abend.
Barichara (18. Juli): Den letzten Tag des lange dauernden Festes der Virgen del Carmen verbrachten wir im angeblich schoensten Doerflein des Landes. An jedem Hauseingang hingen gelb-rot-blaue Flaggen, die Sonne schien und die Leute dort waren extremst freundlich! Ich bin mit einem echt super positiven Eindruck zurueck nach San Gil gefahren, aber als schoenstes Dorf wuerde ich es nicht bezeichnen. Ich hab zwar nicht viele Doerfer hier gesehen, aber das was ich gesehen habe, naemlich Villa de Leyva, fand ich fast noch ein bisschen huebscher. Aber eigentlich lohnt es sich nicht um diesen Titel zu streiten…
Taganga (19. Juli): Endlich an Kolumbiens Karibik-Kueste angekommen! Vom regnerischen San Gil nahmen wir den Nachtbus Richtung Norden, wo wir um halb sieben Uhr morgens dann auch schliesslich angekommen sind. Etwa zwei Minuten, nachdem der Bus weiter Richtung Barranquilla geduest ist, bemerkte ich, dass ich meine in Lima neu gekaufte Jacke im Bus habe liegen lassen, sowie den Ueberzug meines Schlafsacks. Und was zu dumm ist: In der Jacke waren auch noch meine Einreise-Papiere (Zoll-Erklaerung usw.). Das heisst, ich muss mich darum jetzt auch noch kuemmern. Immer irgendein neuer Scheiss. Immer diese bloede Vergesslichkeit.
An der Atlantik-Kueste hatte es auch auf Anhieb gleich mal ueber 30 Grad, sodass wir gut schwitzen mussten, was uns aber richtig gluecklich machte nach der grauen Zeit in Lima und den verregneten Tagen in den bisher bereisten Teilen Kolumbiens. Unsere erste Station war Taganga, ein kleines Doerfchen, dass eigentlich nur vom Backpackertum lebt. Bekannt geworden ist es durch ein paar wunderschoene kleine Buchten, von denen wir uns die einsamste zum Baden ausgesucht haben und uns sogleich den ersten Sonnenbrand zuzogen. Die aequatornahe Sonne sollte man halt doch nicht unterschaetzen, vor allem nicht zur Mittagszeit.
Santa Marta (20. Juli): In Santa Marta, wo wir in einem Hostel mit eigenem kleinen Pool und einer Dachterasse uebernachteten, haben wir uns einen chilligen (kolumbianischen Nationalfeier-)Tag gemacht. Waehrend die Maedls wegen der Hitze schon um sieben Uhr aufgestanden sind, hab ich mich schoen bis neun Uhr ausgeschlafen, um die vorherige Nacht im Bus zu verdauen. Nach dem Fruehstueck an der Strandstrasse genossen wir Pool und Sonne. Irgendwann folgten auch noch Mittag- und Abendessen in anderen Restaurants derselben Strasse, bevor wir uns abends dann in einer ziemlich grossen und leeren Bar (weil Dienstag) aus Lust und Laune volllaufen liessen mit leckerem Bier und Mojitos. Die Party ging dann auch noch in der Hostel-Bar weiter.
Tayrona (21. Juli): Das Highlight der Gegend, der Tayrona-Nationalpark, eine Mischung aus Urwald und karibischen Straenden, stand heute auf unserer Liste. Nach ewig langer Anfahrt mit dem langsamsten Jeep der Welt (etwa 20 km/h bergauf wenn’s hochkommt) mussten wir eine weitere Stunde einem matschigen Pfad im Tropenwald folgen, bis wir diesen langen, weissen Traumstrand erblickten, gesaeumt mit Palmen und anderem Gruenzeug, der Insel-Landschaft der Fernsehserie Lost nicht unaehnlich. Dort genossen wir das gut temperierte Wasser, einen frisch gepressten Orangensaft sowie einen kurz zuvor gefangenen frittierten Fisch. Da die Region ja geschuetzt ist, ist alles noch naturbelassen, das heisst es gibt keine entstellenden Gebaeude oder Strassen, die diesen tollen Eindruck verfaelschen wuerden. Da wir uns fast etwas zu lange an dem traumhaften Anblick ergoetzten und viel zu spaet den Rueckweg antraten, wir den Weg bei Affenhitze zurueckhetzen, um den Bus nach Santa Marta nicht zu verpassen.
Bogotá (13.-15. Juli): Ich bin sehr gut in Bogotá angekommen, nach drei Stunden Flug und einer nicht allzu krassen Klimaveraenderung (es hat hier auch nur ca. 15 Grad, aber dafuer ist der Himmel nicht mehr durchgehend grau und die Luft etwas duenner und frischer, was auf 2.600 Metern Hoehe auch nicht verwundert). Die Stadt hat ungefaehr so viele Einwohner wie Lima, doch der Verkehr ist ein bisschen geregelter, sodass man hier schneller von einem Ort zum anderen kommt. Allgemein kommt mir die kolumbianische Hauptstadt ein bisschen moderner vor als die peruanische, die Leute sind schoener (auch angezogen), das Wetter ist besser, bloss das allgemeine Leben soll ein wenig gefaehrlicher sein, wovon ich bis jetzt aber noch nicht so viel merke. Was wohl auch gut so ist. Aber leider gibt es hier auch nicht so viel zu tun, nach eineinhalb Tagen hier haben wir schon alles gesehen, was fuer uns wichtig war. Deswegen geht es bald auch schon weiter Richtung Norden, wo wir einerseits in Villa de Leyva ein koloniales Staedtchen zu Gesicht bekommen, andererseits in San Gil ein paar Abenteuer erleben, wie zum Beispiel eine kleine Rafting-Tour.
Villa de Leyva (15.-16. Juli): Wir mussten hier geschlagene zwei Stunden nach einem geeigneten, billigen Hostel suchen, da momentan in vielen Orten Kolumbiens gerade das Fest der Virgen del Carmen stattfindet und dadurch viele voll oder sehr teuer sind. Die Fiesta konnten wir leider nicht so geniessen, da es dauernd geregnet hat, aber das Doerflein an sich ist sehr huebsch und man fuehlt sich ein bisschen in der Zeit zurueck versetzt. Was ich am besten finde: Hier gibt es geniessbares Fleisch! In Peru hab ich das oftmals vermisst, aber hier gibt es an jeder zweiten Ecke ein Grill-Restaurant, bei dem man fett Fleisch schaufeln kann – was wir auch schon des Oefteren gemacht haben, da meine liebe Reisebegleiterin Anika auch von gutem Fleisch (bis auf Schwein) begeistert ist.
San Gil (16.-18. Juli): Angekommen in Kolumbiens Action-Stadt Nummer 1 – natuerlich mal wieder im Regen – haben wir auch schon ein schoenes kleines Hostel gefunden, dessen Besitzer uns mit einigen moeglichen Actividades versorgt hat. So waren wir Raften der Stufe 3 (die meiner Meinung nach durch die Regenfaelle mindestens einen halben Punkt nach oben gepuscht wurde), was sehr lustig war. Wir (andere junge Backpacker, sowie Anika und ich) haben das in unserem Boot super gemacht, das andere Boot (besetzt mit einem Paerchen, sowie einer italienischen Familie inklusive jungem Teenager) kenterte bei den schwierigsten Stromschnellen, weswegen wir erstmal eine Rettungsaktion starten mussten. Gut dass es nicht geregnet hat und es ziemlich warm war, denn wir warem an Ende ziemlich klitschnass.
Die grobe Reiseplanung steht endlich! Los geht’s am Dienstag (13. Juli 2010) mit einem Flugzeug von Lima nach Bogotá. Von dort aus reisen wir nördlich über San Gil (Action-Hauptstadt Kolumbiens) und Villa de Leyva (kolonialer Ort) nach Santa Marta (Nationalpark Tayrona) und Cartagena (angeblich schönste Stadt des Kontinents) an die karibische Küste, wo es erstmal eine Dröhnung weißer Strand, gelbe Sonne und türkises Meer auf uns wartet. Weiter geht’s nach Medellín, früher bekannt als die Drogen-Hochburg des Landes. Danach fliegen wir am 29. Juli 2010 nach Quito, Ecuadors Hauptstadt, von wo aus wir einige Touren starten wollen, sei es nach Otavalo zu Südamerikas größtem Handwerksmark, den Quilatoa-Loop, einer der schönsten Road-Trips des Landes inklusive Lagunen-Umwanderung, zum Cotopaxi, dem schönsten Vulkan dort, oder nach Baños, wo man sich an heißen Quellen und an einem schönen Wasserfall ergötzen kann. Wenn wir in Guayaquil ankommen, starten wir wahrscheinlich einen Kurztrip auf die Galapagos-Inseln, da wenn man schon mal in dieser Ecke ist, darf das – wenn auch sehr teuer – nicht fehlen! Wenn die Zeit reicht kommt danach noch ein Abstecher nach Montañita dazu, einem kleinen Hippie-Strandort am Pazifik, der für seine tolle und chillige Atmosphäre berühmt ist. Der obligatorische Halt in Cuenca, einer der schönsten Kolonialstädte Lateinamerikas in den Bergen (in der ich übrigens auch hätte studieren können), wird dann wohl folgen, bevor es uns ins nördliche Peru verschlägt, wo dann Ziele wie Máncora (Strand), Kuélap (das nicht ganz so touristische Pendant zu Machu Picchu), Trujillo und Chiclayo (in beiden weitere berühmte Ruinen und beide am Meer) auf unserer Liste stehen. Am 28. August 2010 muss ich dann spätestens wieder in Lima sein, weil ich dann endlich Besuch kriege!
Mit Andrea will ich dann in den Süden Perus starten, der Flug nach Cusco ist am 29. August 2010. Von dort aus erkundschaften wir das Heilige Tal mit seinen großartigen Hinterlassenschaften der Inka mit dem Highlight Machu Picchu. Hinterher fahren wir an den Titicaca-See, um dort die Stadt Puno, die Isla Taquile und die Isla del Sol in Bolivien zu besichtigen, außerdem die kleine Stadt mit dem schönen Namen Copacabana. Danach geht’s in die bolivianische Hauptstadt La Paz, von wo aus wir eine kleine Bolivien-Tour nach Sucre, vielleicht Potosí und ganz sicher in die Salar de Uyuni (Salzwüste) starten. Nach einem Abstecher nach Nordchile an den Strand in Arica wollen wir über Tacna nach Arequipa fahren, wo es die tiefsten Canyons der Welt, eine wunderschöne Altstadt und den Berg Misti zu entdecken gibt. Schließlich geht’s über Cusco zurück nach Lima, wo noch eine kleine Stadtführung von mir auf Andi wartet. Zu Allerletzt kommt dann die Rückreise ins zu dieser Zeit von der Wiesn besessene München.
Maravilloso, increíble, hermosísimo, impresionante, fantástico, chévere, gigante, bacán, genial, enorme, súper! Man nehme diese Wörter, multipliziere sie miteinander und potenziere sie mit wow, und man erhält: die Cordillera Blanca. Eine wunderschöne Gebirgskette mitten in Peru, die fern von höherer Zivilisation dahin vegetiert, was auch gut so ist. Denn man stelle sich bloß vor, wie es dort aussehen würde, wenn diese tolle Gegend beispielsweise mitten in Europa liegen würde – die Alpen machen’s vor. Zum Glück ist das nicht so und wir konnten deswegen am Wochenende eine ziemlich einsame aber erlebnisreiche Wandertour machen, den so genannten (verkürzten) Santa Cruz Trek.
Angefangen haben wir in Vaqueria, was ungefähr auf 3000 Metern über Null liegt. Der höchste Punkt, Punta Union (4.750 Meter), wird am zweiten Tag etwa zur Mittagszeit erreicht. Der Aufstieg war meine bisher härteste Wanderung, das liegt wohl vor allem daran, dass die Luft in solchen Höhen ziemlich dünn ist und wir deswegen sehr oft kurze Pausen machen mussten. Dort gibt es die geilste 360 Grad-Aussicht, die ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Einfach nur einmalig. Am dritten Tag kommt man nach einem langen und anstrengenden Abstieg in Cashapampa wieder auf etwa 3000 Metern Höhe an. Insgesamt haben wir zusätzlich zu den Höhenmetern ungefähr 36 Kilometer zurück gelegt.
Wir mussten unsere persönlichen Sachen selbst tragen, jeder hatte also einen Rucksack mittlerer Größe bei sich. Die Zelte, Isomatten und Schlafsäcke, sowie das Essen und das Geschirr haben Esel für uns getragen, die in solchen Höhen wohl auch keinen leichten Job haben. Jedoch hat denen der krasse Temperatur-Unterschied von fast 30 Grad (zwischen – 5 Grad nachts und etwa + 25 Grad tagsüber) nicht ganz soviel ausgemacht wie uns. Da braucht man schon ab Sonnenuntergang mindestens fünf oder sechs Schichten am Körper, beim Schlafen dann am besten noch zusätzlich zwei Schlafsäcke, um nicht zu frieren.
Und zu guter Letzt muss ich leider noch den Einfluss der Höhe auf unseren physischen Zustand erwähnen. Leider blieb der kurze Ausbruch der Höhenkrankheit 40 % unserer Gruppe nicht erspart, so mussten eine meiner lieben Begleiterinnen und ich uns am ersten Abend kurzerhand übergeben. Nach einem zehnstündigen Gesundheitsschlaf und einiger Soroche-Tabletten war aber am nächsten Morgen zum Glück wieder alles in Ordnung. Diese kleine schlechte Erfahrung schmälert das Ergebnis der oben angefangenen Rechnung aber nicht im Geringsten: La Cordillera Blanca = unbeschreiblich, nur selbst erfahrbar!
Am Donnerstag, den wir zur Akklimatisierung genutzt haben, haben wir eine kleine Tagestour mit dem Colectivo zu einer türkisgrünen Lagune namens Chinancocha sowie zur Stadt Yungay gemacht. Yungay Viejo (das alte Yungay) ist 1970 in die Schlagzeilen geraten, als ein Erdbeben mit der Stärke 7,8 auf der Richterskala einen Teil des höchsten Berges Perus, des Huascarán mit seinen 6.768 Metern Höhe, zum Abbröckeln brachte; genauer gesagt etwa 50 Millionen Kubikmeter Gletschereis und Gestein. Diese über 200 km/h schnelle Geröll-Lawine übersprang sogar einen 200 Meter hohen Hügel zwischen Berg und Stadt und zerstörte ganz Yungay mitsamt seiner etwa bis zu 20.000 Einwohner. Lediglich der auf einem schützenden Hügel gelegene Friedhof blieb unversehrt, in den sich knapp hundert Menschen retten konnten.
Ziemlich am Anfang meines Aufenthalts in Lima, als es tagsüber noch herrlichen Sonnenschein gab, bin ich mit den Bekanntschaften der ersten Tage aus meiner Universität zum Circuito Mágico del Agua gefahren. Das ist ein Park in der Mitte der Stadt, wo man tolle Wasserspiele und Brunnen bestaunen kann. Für Kleinkinder ist das ein schöner Ausflug, da die ja bekannterweise das Plantschen lieben. Aber nicht nur Unter-Zehnjährige sondern auch meine Mitstudenten und ich haben ziemlich Gefallen daran gefunden. Hier nun die wieder entdeckten Bilder, ¡gracias a Cynthia por las fotos!
Mit Marleen habe ich mir vor zwei Wochen eine kleine Pyramide in Miraflores angesehen, die noch von den Ur-Limeños stammt, einer Kultur, die zwischen 200 und 700 nach Christus in dieser Gegend siedelte. Das Bauwerk besteht hauptsächlich aus Lehm und würde daher nicht mehr stehen, wenn es in Lima nicht nur so selten regnen würde. Auch die trapezförmige Bauweise trug dazu bei, dass es heute noch größtenteils steht – denn viele präkolumbianische Bauten wurden unter anderem von Erdbeben dem Erdboden gleich gemacht.
Übersetzt heißt der Name der Ruine, Huaca Pucllana, soviel wie Stätte der zeremoniellen Spiele. Die Beerdigungen junger Frauen, die man bei Ausgrabungen entdeckt hatte und deren Haut anscheinend abgezogen wurde, galten als solche Zeremonien. Die Frauen hatten in dieser Kultur so wie es scheint einen hohen Stellenwert. Durch die Nähe zum Meer war auch nicht wie bei den Inkas die Sonne der angebetete Gott männlich, sondern eben der Ozean als weibliche Gottheit – weswegen heutzutage auch von vielen Fischern noch La Mar gesagt wird, obwohl dieses Substantiv eigentlich einen männlichen Artikel besitzt.
Der Pyramide angehängt war ein kleiner Streichelzoo und ein kleiner Garten mit einigen typischen Arten der Flora und Fauna Perús. Unser super netter Führer hat uns auch einige Sachen dazu erklärt, zum Beispiel die Verwendung der Coca-Pflanze, aus der ja auch viele Drogen hergestellt werden, zur Vermeidung des Ausbruches der Höhenkrankheit, oder dass Hybride aus Lamas und Alpakas, zwei scheinbar ziemlich ähnliche und kaum unterscheidbare Tiere, meist mit Behinderungen (zum Beispiel Blindheit) geboren werden.
Am Wochenende haben wir uns einen Ausflug in die Selva, dem Regenwald Perús, der etwa 50 % der Landesfläche einnimmt, den aber nur ungefähr 5 % der Peruaner bewohnen, gegönnt. Auf dem Plan standen eine dreitägige Dschungel-Tour inklusive Übernachtungen in Lodges ohne Strom, vieler Bootsfahrten auf dem Amazonas, Urwald-Wanderungen, Angeln, Tiere anschauen sowie zwei Tage freier Zeiteinteilung mit Stadtbesichtigung, Besuch einer Schmetterlingsfarm und Baden in einer künstlichen Lagune mit Sandstrand.
Um durch die Stadt und in die nähere Umgebung zu gelangen gibt es einerseits Motocarros, den thailändischen Tuk Tuks nicht unähnlich, und andererseits die aus Lima bekannten Combis, nur dass die in Iquitos oberhalb des Bodens aus Holz bestehen, keine Fenster besitzen (wegen der großen Hitze ja eigentlich auch nicht notwendig) und 80er-Jahre-Musik mit gefühlten 100 Dezibel aus den Boxen strömt, inklusive eines Medleys von Modern Talking.
Probiert habe ich auf dem Kurztrip auch einiges Neues, zu nennen wären da zum Beispiel Zuckerrohr-Saft, sehr süß und lecker, sowie derselbe bloß destilliert, auch bekannt als Cachaça, den man für Caipirinhas verwendet; außerdem das der Konsistenz von Fisch ähnliche aber eher nach etwas anderem schmeckende (vielleicht Hühnchen?) Alligator-Fleisch. Sehr empfehlenswert!
Wer Spinnen allerdings nicht besonders gut ausstehen kann, sollte sich vergewissern, dass sich keine im Zimmer befindet, denn direkt neben einer Lodge nistete sich eine Tarantel ein, die wir nachts bestaunen konnten. Und selbst im Essenssaal, dessen Wände nur aus Moskito-Netzen bestanden, in dem man sich also eigentlich in Sicherheit wiegen müsste, befand sich abends auf dem Nebentisch eine Wolfsspinne. Wie die dahin gelangt ist, wusste nicht einmal unser Führer. Er konnte uns nur sagen, dass nach einem Biss oder Stich (keine Ahnung, bin kein Biologe!) ein Mensch noch maximal sieben Stunden zu leben hatte, was aber laut Wikipedia nicht der Wahrheit entspricht. Internet war im Dschungel aber leider nicht verfügbar, also mussten wir in diesem Glauben die Nacht verbringen. Ich habe nach dem Verscheuchen einer Kakerlake und dem Entfernen eines Fröschleins aus meinem Zimmer das Bett und das Nachtkästchen einen halben Meter von der Holzwand entfernt, um es den Tieren etwas schwerer zu machen, mich im Schlaf zu stören. Am nächsten Morgen jedoch spannte sich zwischen Nachttisch und Wand ein Spinnennetz. Na dann gute Nacht!
Und noch ein paar Sachen möchte ich erwähnen: Es ist ein Gerücht, dass man das andere Ufer des Amazonas nicht sehen kann – zumindest ist er in Iquitos nicht breit genug dafür. Dennoch sag ich ab jetzt zur Isar Bächlein. Iquitos ist außerdem die größte Stadt der Welt, die nicht durch eine Straße von der “Außenwelt” erreichbar ist – nur durch Flugzeug oder Schiff.
Danke auch an Mélodie, Estelle und Stephanie für ihre Photos. Die besten davon habe ich hinter meine 164 Photos drangehängt.
Der Stadtteil südlich von Lima heißt Barranco und ist bekannt als das Viertel der Künstler. Außerdem findet in Barranco das schillerndste Nachtleben in ganz Lima statt, was ich auch schon ein paar Mal erleben konnte. Tagsüber und vor allem sonntags ist dort aber eher wenig bis gar nichts los, was für uns eine ideale Möglichkeit war, einen kleinen Spaziergang durch die schönen und bunten Straßen des winzigen, am Meer liegenden Stadtteils zu machen. Trotz des immer näher vom Pazifik kommenden Garúas (Nebel) hatten wir eine schöne Aussicht von den Klippen.
So ungefähr würde ich Punta Hermosa übersetzen. Das ist der Name des Ortes, dessen Strand wir vor ein paar Wochen für ein paar Stunden genießen konnten. Zu finden ist der etwa eine gemütliche Taxi-Stunde südlich von Lima (Hinfahrt) oder eine nervig lange Busfahrt südlich von Lima (Rückfahrt), da der Bus einfach mal doppelt so voll war, wie er maximal hätte sein dürfen. Jedenfalls hat es sich so angefühlt. Es ist mir sogar jemand so auf den Flip Flop gestiegen, sodass er schließlich kaputt ging und ich einseitig barfuß durch die dreckigen Straßen Limas nach Hause laufen musste… Trotzdem ein toller Tag, der mir in Erinnerung bleibt. Mit super Wellen und netten Leuten.
… davon geschlagene 33 Stunden Busfahrt, 22 Stunden Sightseeing, 11 Stunden Party und der Rest Schlafen, Essen, Chillen. Ich habe die vier freien Tage von 01.04. bis 04.04.2010 genutzt, um die Osterwoche in Ayacucho zu verbringen, wo es die schönsten Feierlichkeiten in ganz Perú gibt. Da wir aber nicht jeden Tag Prozessionen und Messen anschauen wollten, gab es die ersten zwei Tage ein Alternativ-Programm: Besichtigungen verschiedener Ruinen der Wari und Inka mit gigantischer Landschaft drumherum und tollen Wolkenformationen. Samstag war dann der Party-Tag von morgens bis abends (mit Stiertreiben, Blasmusik, Folklore-Tänzen, anschließend Disko) und Sonntag ein eher gechillter Tag, um den Rausch des Vortags und den daraus entstandenen Kater zu verarbeiten. An diesen Tagen entstanden über 200 Photos, die ich jetzt einfach chronologisch hier reinstelle, da ich zu faul bin, die genauer zu kategorisieren. Aber ihr habt ja die Vorschau in klein, da könnt ihr ja nur die Teile anklicken, die euch interessieren!
Der erste Wochenend-Ausflug war ein voller Erfolg und es gibt viel zu erzählen. Auf dem Programm stand: Fünf Stunden Fahrt nach Huacachina (eine Oase in der Wüste bei Ica), ausgiebiges Mittagessen, dann mit Buggies durch die Wüste zu den perfekten Dünen (100 Meter hoch!) zum Sandboarden, wieder zurück in die Oase, Chillen im Pool, Grillen am Pool und zu guter Letzt: Fiesta. Am nächsten Tag ausschlafen, ausgiebig frühstücken, mal wieder Pool, Mittagessen und fünf Stunden zurück nach Lima. Das ganze wurde organisiert von APU, einer Organisation, die einige Häuser in Lima an internationale Studenten vermietet.
Beides, sowohl Buggy fahren als auch Sandboarden bringt einen fetten Adrenalin-Kick, doch für mich war das Aufregendste, dass ich beinahe in der Wüste vergessen wurde. Es waren etwa 15 Buggies und alles waren bis auf den letzten Platz voll besetzt. Am ersten Zwischenstopp sind alle ausgestiegen, um Photos zu schießen, genauso wie ich. Bloß ich brauchte anscheinend ein bisschen zu lange, meine Kamera wieder in der vor Sand schützenden Plastik-Tüte zu verstauen, sodass ich auf die Schnelle mein Gefährt nicht mehr fand, bis fast alle losgefahren sind und ich den letzten Fahrer gerade noch zurück halten konnte, mich bitte nicht allein dort verrecken zu lassen. Das erinnerte mich sehr an das Spiel Reise nach Jerusalem, und ich hab eindeutig verloren. Also musste ich mich dranhängen und hoffen, dass die Weiterfahrt nicht im selben Tempo und über die selben steilen Hügel weitergeht, sondern ich sicher, ohne angeschnallt zu sein, ans Ziel komme, was am Ende dann auch der Fall war und ich den weiteren Ausflug genießen konnte und nicht Kakteen aufschneiden musste, um an Wasser zu gelangen…
Ich wohne ja seit geraumer Zeit in dem schönen Stadtteil Miraflores, was wörtlich übersetzt soviel wie “Schau die Blumen an!” bedeutet. Das stimmt auch soweit, im Parque Kennedy oder Parque del Amor (der sehr an Gaudí’s Parc Güell erinnert) und sonst auch auf vielen anderen Flächen sieht man überall hunderte sehr gepflegte und bunte Blumen sich gegen die subtropische Sonne neigen. Doch es gibt viel mehr: Das Meer, die Steilküste, viele kleine Retaurants, bunte Häuser und Busse, tausende von Taxis, viele Wachleute, Kultur an jeder Ecke, wenn man will, schöne Kirchen, ein Sicherheitsgefühl wie sonst fast nirgends in Lima, Banken, Cafés, Shopping-Malls und so weiter und so fort; all das macht das Leben hier so erfrischend, angenehm und einfach. Macht euch selbst ein Bild davon:
Heute ist Samstag und das heißt: nicht besonders viel zu tun hier. Daher mussten wir uns eigentlich nur überlegen, wie wir unsere Freizeit gestalten und das tolle Wetter ausnutzen wollen. Die Wahl fiel sehr schnell auf’s Paragliding von der Steilküste von Miraflores. Zehn Minuten für umgerechnet etwa 40 Euro, von denen sich jeder Cent gelohnt hat. Die Bilder sagen mehr als Worte (wenn sie auch teilweise sehr schief geworden sind, da wir nicht immer genau sehen konnten, was wir fotografieren…). Jedenfalls auch sehr lustig, da sich zwei Piloten während meines Fluges über eine sich sonnenbadende Chica, die oben ohne neben ihrem Dach-Swimming-Pool lag, amüsierten.
Selbst wenn man es glauben mag, weil es überall nur so wuselt, diese riesige Stadt hat auch etwas, das man Zentrum nennt. Im Endeffekt sind das ein paar Sehenswürdigkeiten angehäuft. Diese ziehen viele fotografierende Touristen an, jene wiederum einige Leute, die von den Touristen Profit schlagen wollen – ob auf dem Weg des Bettelns oder zumindest noch des Verkaufens irgendwelcher unnötigen Dinge oder Leckereien. Mit einem ständigen “No gracias” auf den Lippen habe ich die Besichtigungen dennoch sehr genossen, alles in allem hat der Tag meinen Eindruck von dieser Stadt weiter positiv beeinflusst. Wenn ihr euch die Photos anschaut, könnt ihr auch ein wenig teilhaben!
Schön langsam wird’s kritisch. Jetzt sind es nur noch elf Tage, die mir bleiben, alles was zu erledigen ist, noch zu erledigen. Am 07. März beginnt die Reise in Eggenfelden über München über Frankfurt über São Paulo nach Lima. Und was ist noch alles zu erledigen? Zimmer ausräumen, Zeug in die Heimat karren, restliche Unterlagen für’s Auslands-BAföG eintreiben, Praktikum fertig machen, mich verabschieden, packen und so weiter. Und weil sich das alles staut und fast alles, was ich momentan mache, mit dem kommenden Semester zu tun hat, krieg ich natürlich Panik. Wegen der Sprache, wegen des Fluges, wegen der Uni, wegen des Alleinseins und so fort. Was macht man da? Sich immer wieder sagen: “Scheiß da nix, dann faid da nix!”.