geschossen

Zwei weitere Tage als Photojournalist

SimulacroNachdem ich bei der peruanischen Tageszeitung La República schon super Erfahrungen machen durfte, die eigentlich an Ereignisreichtum und Aufregung nicht zu überbieten waren, konnte ich ein paar Tage später auch noch beim noch etwas niveau-volleren El Comercio und bei Perú 21, einer etwas leichter zu lesenden Tageszeitung (die ich mir mit meinen etwas niedrigeren Spanisch-Kenntnissen ab und zu mal kaufe), jeweils einen ganzen Tag die anfallende Arbeit eines Fotografen begleiten. Die Photos dazu möchte ich euch nicht vorenthalten, die Tage waren aber nicht ganz so spannend wie der erste.

TeatroEs standen zwei Porträts an, eine Theater-Aufführung, eine Erdbeben-Simulation in einer Schule mit dem peruanischen Präsidenten Alan García, ein Paparazzi-Einsatz bei einem korrupten Politiker sowie eine Reportage über eine Kunst-Ausstellung in der Universität San Marcos. Leider hatte ich an diesem Tag eine nicht so tolle Kamera, gegen die der Fotografen kam die leider nicht an. So musste ich oft die Empfindlichkeit sehr hoch stellen, da ich die Blende nicht so weit öffnen konnte. Aber egal, hat trotzdem Spaß gemacht und vor allem eine Begeisterung in mir ausgelöst.

Erstellt am 21. Juni 2010 um 00:23 Uhr.

Zum Heulen, zum Schießen, zum Greifen nah

39 Kilometer nördlich von Lima auf der Panamericana. 10 Uhr morgens am Montag, den 19. April 2010. Geschätzte 100 bis 200 aufgebrachte Leute und ein Polizeiaufgebot von ungefähr 50 Beamten der Policía Naicional und der Policía Carretera. Das war die Voraussetzung für die Konfrontation. Der Grund dafür? Ehrlich gesagt: keine Ahnung, dafür reichte mein Vokabular nicht. Das werd ich morgen in der Zeitung nachlesen.

EnfrentamientoWarum ich das Ganze hier schreibe? Weil ich als Photo-Journalist-Praktikant mitten drin war. Kaum angekommen, ging es auch schon los: Faustgroße Steine wurden von den Demonstranten geschmissen, die ultimative Reaktion der Polizei darauf war Tränengas. Von den Steinen blieb ich verschont, husten und heulen blieb mir aber leider nicht erspart. Fünf Minuten und ein paar unbeholfen geschossene Photos später war alles wieder vorbei. Dann hieß es warten auf die nächste Eskalation, die dann aber leider oder zum Glück (wie man’s nimmt) ausblieb. Die unterschätzte Gefahr war vorüber, bevor ich mich überhaupt darauf einstellen konnte. Aber es war eine Erfahrung!

Feria del LibroDer letzte Auftrag des Tages war dann ähnlich spannend, aber lange nicht so gefährlich. Der peruanische Präsident Alan García und ein paar weitere wichtige Personen läuteten die einwöchige Feria del Libro (Buchmesse) am Plaza Mayor vor dem Palacio ein und ich konnte live dabei sein und das Ganze dokumentieren – es war interessant, die ganzen Presse-Fotografen (ich würde schon fast sagen Paparazzi) einmal in Action zu sehen und im Prinzip selbst einer von ihnen zu sein. Wann kommt man als Gringo schon sonst einmal einen Meter an den Staatspräsidenten ran?

Über 300 Photos sind an diesem Tag innerhalb von zehn Stunden und drei Aufträgen entstanden. Die besten Bilder der zwei genannten Aufträge habe ich euch hier mal reingestellt, nicht dass mir das keiner glaubt…

Erstellt am 20. April 2010 um 01:00 Uhr.